Chronik 1947 bis 1987

40 Jahre Trachtenverein Pauluszell

Großes Gründungsjubiläum des Heimat- und Volkstrachtenvereins Pauluszell am 11./12. Juli 1987.

Als Herbert Maschberger vor 40 Jahren nach seiner Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg, daran ging, den „Bayerischen Gebirgstrachtenerhaltungsverein Almenrausch Pauluszell“ ins Leben zu rufen, rechnete wohl nicht einmal er damit, dass man den Verein bis zur heutigen Blüte führen könne. Die kärglichen Anfänge im Frühjahr 1947, als Maschberger mit seinen Freunden Josef Kreitmeier, Albert Kick, Anton Feber, Josef Lanzinger, Matthäus Geisenberger, Jakob Hofer, Alois Feuchtgruber und Josef Kraxenberger, die Gründung eines Volkstrachtenvereins beschloss, ließen dies freilich nicht ahnen.

Als Erstes galt es die Schwierigkeiten auszuräumen, die durch die damals herrschende Militärregierung hervorgerufen wurden. Die Gründergruppe verfolgt jedoch ihr Ziel in bewährter bayerischer Hartnäckigkeit durch Dick und Dünn und wenn es sein musste nur durch Dick. So kam es, dass fast genau ein Jahr nach der Gründungsversammlung am 8. Juni 1947 dem damaligen 1. Vorstand Albert kick am 2. Juni 1948 die Genehmigung auf Zulassung des neuen Gebirgstrachtenvereins erteilt wurde. Von nun an erfreute sich der Verein eines kontinuierlichen Wachstums bis zur heutigen Mitgliedsstärke von 462 Personen, wovon 180 aktive Trachtenträger sind.

Ziel des Trachtenvereins war, am Anfang wie Heute, das Interesse der Jugend an Brauchtum und Tracht zu wecken und zu erhalten, der Jugend die schönste Seite der Heimat zu erschließen. Dazu standen in Musik, Tanz und Theater die erfolgversprechendsten Mittel zur Verfügung. Schon bei der Fahnenweihe am 20. Mai 1951, mit dem Patenverein „D’Almer Vilsbiburg“ konnten sowohl die Theatergruppe, als auch die Musikanten, Sänger und Tänzer, auf eine mehrjährige Erfahrung im Dienste des Vereins zurückgreifen.

Von da ab galt es, als nächster großer Programmpunkt, die Anschaffung der niederbayerischen Volkstrachten voranzutreiben, um der Nachwelt dieses wertvolle Kulturgut zu erhalten. Im weiteren Zeitgeschehen hatte der Trachtenverein mit seiner Arbeit die Anerkennung des Publikums längst gefunden, wenngleich nun auch verstärkt Presse, Rundfunk und Fernsehen, eine Konkurrenz zu den geselligen Vereins- und Heimatabenden darstellte. Diesmal war es Ludwig Rottenwallner, der sich dieser Sache annahm. Er konnte einige Buben und Mädchen für die Volksmusik interessieren und organisierte deren Ausbildung. Ebenso existierte lange Zeit unter der Leitung von Albert Kick die Sängergruppe mit über 20 Mitgliedern und schließlich wurde vorübergehend auch die Stubenmusik ins Leben gerufen.

Des Weiteren gab es bereits zum 25-jährigen Gründungsfest am 18. Juni 1972 je eine Kinder – und Jugendtanzgruppe. Der Verein zählte damals über 150 Mitglieder, davon waren 90 Träger der heimischen Volkstrachten. Sechs Jahre später, am 24. Juli 1978, erfolgte die Weihe der zweiten Vereinsfahne, die von nun an, zusammen mit der neu instandgesetzten ersten Fahne, bei allen Anlässen mitgetragen wurde.

Die Aktivitäten des Vereins erhöhten sich nun, genau wie die Mitgliederzahl, beträchtlich. In den darauffolgenden Jahren bis heute war der Trachtenverein Pauluszell mehrmals bei Oktoberfestauszügen dabei. Jährlich wurden bis zu zehn Fest- oder Heimatveranstaltungen benachbarter Trachtenvereine besucht und die Hochzeiten von Vereinsmitgliedern durch Fahnenabordnung begleitet.

Zu Ostern und Weihnachten bietet die Theatergruppe des Volkstrachtenvereins nun seit 40 Jahren, mit bestem Erfolg, kurzweilige Abende. Dass über diesen Zeitraum das hohe darstellerische Niveau gehalten werden konnte, verdankt der Verein einer langen Reihe von Theaterleitern, deren vorläufig Letzter, Hans Niedermeier, anlässlich des 40-jährigen Jubiläums, das erste in Pauluszell gespielte Theaterstück „Der Gmoalump“ wieder aufführen ließ. Die Begeisterung der Jugend erkennt man daran, dass diese Theatergruppe Nachwuchssorgen nie kannte.

Auch die anderswo eher rückläufige Freude der Jugend am Volkstanz existierte hier ungebrochen. Mittlerweile wurde wegen großer Nachfrage eine zweite Jugendtanzgruppe erforderlich. Der Ruf dieser Tanzgruppen beginnt sogar schon über die Bundesgrenzen in das benachbarte Europa zu dringen, und so war z. B. eine der Jugendgruppen, zusammen mit Trachtenträgern anderer Vereine, in Heidelberg und in Cleveland – England, bei Internationalen Gesang- und Tanzwettbewerben. Die Kindertanzgruppe jedoch erfreut sich besonders zuhause großer Beliebtheit. Es ergreift den Heimatverbundenen immer wieder eine stille Freude, wenn er sieht mit welchem Ernst und Eifer gerade die Kleinsten ihre volkstümlichen Darbietungen vorbringen. Auf diese Weise finden die Kinder mühelos ihren Weg in die Trachtengemeinschaft und auch in das Gemeindeleben.

Über drei Generationen hinweg hält nun schon der Trachtenverein die Pauluszeller besonders  innig zusammen. Nicht viele Orte gibt es, in denen Alt und Jung so harmonisch zusammenwirken, wie gerade hier, wo die Vereinszusammengehörigkeit schon auch manchmal über nachbarliche Streitigkeiten hinweghilft. Unter diesen gesunden Voraussetzungen sind dem Trachtenverein Pauluszell ein noch langes Bestehen und eine glückliche Zukunft sicher.